Home  I  Das erfahrene Ärzteteam  I  Kontakt  I  Impressum / Datenschutz  I  


 

 

 




OP-Techniken bei vorderer Kreuzbandruptur


Im Laufe der medizinischen Entwicklung kamen eine Reihe von verschiedensten Techniken zur Reparatur des vorderen Kreuzbandes zum Einsatz, wie beispielsweise die Naht des Kreuzbandes. Die deutlich schlechteren Ergebnisse im Vergleich zum Kreuzbandersatz haben jedoch dazu geführt, dass diese Methode verlassen wurde. Sinnvoll ist die Kreuzbandnaht nur bei einem knöchernem Ausriss, wenn sie schnell nach dem Unfall durchgeführt wird. Dies ist vor allem bei Kindern häufig Erfolg versprechend.
Weitere Versuche wurden in den 1980er Jahren mit künstlichen Kreuzbandfasern vorgenommen. Die Ersatzbänder bestanden aus Kunststoff- oder Kohlefasern. In der Folge zeigten jedoch viele Patienten Reizerscheinungen am betroffenen Knie („Kunststoffarthritis“), sowie Einheilungsstörungen, was in den meisten Fällen die Entnahme der Bandprothese erforderlich machte.
In den letzen 10-15 Jahren hat sich der Kreuzbandersatz mittels körpereigener Sehnen durchgesetzt. Zwei unterschiedliche Techniken werden hierbei vor allem angewendet. Einmal der Ersatz mittels Patellarsehne (also der Kniescheibensehne), zum anderen werden die Semitendinosus- und die Gracilissehne verwendet (beide aus der Rückseite des Oberschenkels)


Patellarsehne

Hierbei entnimmt man meist das mittlere Drittel der Kniescheibensehne. An den Enden des Sehnenstückes lässt man kleine Knochenstücke stehen, je eines vom Schienbeinkopf und eines aus der Kniescheibe. Die Schnittführung reicht – je nach Technik – von der kompletten Knieeröffnung bis zur arthroskopisch assistierten Operation. Die Patellarsehne wird dann über Bohrkanäle in der ursprünglichen Verlaufsrichtung des vorderen Kreuzbandes eingezogen.
Vorteil dieser Technik ist, dass durch die vorhandenen Knochenblöcke eine sehr feste Verankerung der Sehne im Ober- und Unterschenkel, sowie eine feste „Knochen zu Knochen Heilung“ möglich ist. Nachteile dieser Operationsmethode sind v.a. die Manipulation im Bereich des Streckapparates. Der Streckapparat (d.h. der vordere Kniebereich um die Kniescheibe herum) reagiert oft mit chronischen Reizzuständen und Schleimbeutelentzündungen. Oftmals ist das Knien auf dem entsprechenden Knie längerfristig sehr unangenehm.


Semitendinosus/ Gracilissehne

Die Semitendinosussehne wird ebenfalls seit Jahren für den vorderen Kreuzbandersatz verwendet. Ein Vorteil dieser Technik besteht darin, dass bei der Entnahme dieser beiden Sehnen kein zusätzliches Trauma im Bereich des Streckapparates des Kniegelenkes notwendig ist. Die Sehnenentnahme wird gut vom Patienten bei nur kleinen Hautschnitten gut toleriert. Die oben erwähnten Probleme, beispielsweise Schmerzen beim Knien treten nicht auf. Der Streckapparat bleibt unangetastet und wird daher nicht geschwächt.
Die Semitendinosus- und die Gracilessehne sind ursprünglich als Innenrotierer des Unterschenkels aktiv. Ihre Funktion wird aber zu 100% von den anderen innenrotierenden Muskeln übernommen. Der Patient verspürt subjektiv keine Schwächung dieser Funktion. Die gesamte Operation kann arthroskopisch vorgenommen werden, daher ist auch das kosmetische Ergebnis sehr überzeugend.
Die Semitendinosussehne kann auch bei jungen Patienten mit noch offenen Wachstumsfugen verwendet werden.
Da die Sehnenstränge insgesamt vierfach gelegt werden, weist dieses Transplantat eine übermäßig große Reißfestigkeit auf, dies ist besonders für sehr aktive Sportler (Skifahrer, Fußballspieler, Leistungssportler) von Bedeutung.


Doppelkanaltechnik mit Gracilis- und Semitendinosussehne
 



Prinzip des Retro-Buttoms

Das vordere Kreuzband besteht aus 2 Faserbündeln, die ihrer Funktion nach in ein posterolaterales (PL) und anteromediales (AM) Bündel unterteilt werden. Biomechanische Studien haben gezeigt, dass das AM das Kniegelenk gegen Ausscheren nach vorne, das PL gegen Rotationsbewegungen von Oberschenkel gegen Unterschenkel stabilisiert. Die heute üblichen Rekonstruktionstechniken wurden dieser natürlichen Anatomie nicht gerecht. Die Bemühungen die anatomischen Begebenheiten beim Kreuzbandersatz mehr zu berücksichtigen, führten zur Entwicklung der Doppelkanaltechnik.
Hierbei werden zwei Bündel (ein Bündel aus der Gracilissehne, das zweite aus der Semitendinosus-sehne) an zwei verschiedenen Stellen des Femurs mittels Titanplättchen (Prinzip eines Hohlraumdübels, sogenannter Retro-Button) fixiert. Es wird angenommen, dass hierdurch eine größere Rotationsstabilität im Kniegelenk erreicht wird. Allerdings fehlen dieser Technik noch Ergebnisse aus Langzeitstudien, so dass die derzeitige Studienlage noch keine eindeutige Beurteilung zulässt.

In der Arbeitsgruppe um Dr. Laute wird diese Technik vor allem bei jüngeren Patienten mit guten Ergebnissen eingesetzt. 


Kreuzbandriß bei Kindern

Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes wurde lange Zeit bei Kindern nicht operativ angegangen, da man vermutete, durch Manipulation der Wachstumsfugen ein Fehlwachstum der entsprechenden Seite zu provozieren. Studien belegen jedoch, dass die Sorge unberechtigt ist, solange keine Materialien (z.B. Schraube zur Fixierung des Kreuzbandes) in die Wachstumsfugen eingebracht werden. Zudem wurden sowohl Operationstechniken, als auch die Materialien weiterentwickelt, so dass heutzutage auch bei Kindern der Ersatz des vorderen Kreuzbandes sinnvoll erscheint.
Gerade die Heranwachsenden profitieren besonders von einer operativen Rekonstruktion, da hierdurch die Gefahr langfristiger Folgeschäden und das frühzeitige Auftreten von Arthrose reduziert werden können.


Kreuzbandrevisionsoperationen

Reißt ein Kreuzbandtransplantat erneut, sollte auch hier eine Stabilisierung erfolgen.
Die Ausgangssituation ist nun wieder dieselbe wie beim Riß des Originalkreuzbandes. Die Revisionsoperation ist jedoch komplexer, die Sehnenentnahme erfolgt hierbei ggf. aus dem anderen Bein. Eventuell noch verbliebene Reste von Materialien (z.B. Schrauben) werden behutsam entfernt, die Platzierung der neuen Bohrkanäle muss bereits präoperativ sorgfältig geplant werden.

Die langjährige Erfahrung des Operateurs, das Beherrschen verschiedener Techniken zum Ersatz des Kreuzbandes und neuste Materialien zeigen auch bei Revisionsoperationen gute Ergebnisse in der Arbeitsgruppe um Dr. Volker Laute.

 

© websitefactory