Die Kreuzbandersatzplastik (vorderes Kreuzband)

Die Entwicklung der vorderen Kreuzbandersatzplastik reicht bereits mehrere Jahrzehnte zurück. In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich der Ersatz des vorderen Kreuzbandes mittels körpereigener Sehnen durchgesetzt. Zurzeit stehen uns drei verschiedene Sehnen des Beines zur Verfügung:

  1. der Ersatz mit dem mittleren Drittel der Patellarsehne
  2. der Ersatz mit den Oberschenkelsehnen, den so genannten Hamstringsehnen (Semitendinosus- und Gracilissehne)
  3. mit einem Teil der vorderen Oberschenkelsehne (Quadrizepssehne)
Schema vorderes Kreuzband Plastik© Illustration mit freundlicher Genehmigung von Arthrex®

Vor allem im amerikanischen Raum galt die Patellarsehne lange Zeit als Goldstandard und wird dort auch noch zum jetzigen Zeitpunkt sehr häufig verwendet. Die Stabilität nach Patellarsehnenplastik ist sehr gut bzw. vergleichbar mit den anderen Sehnen. Jedoch zeigten viele Studien auch, dass es eine so genannte Entnahmepathologie, d.h. Probleme durch die Entnahme der Sehne aus der Kniescheibe gibt. Es wurde beobachtet, dass es häufig zu einer Veränderung der Biomechanik der Kniescheibe kommt bzw. dass es auch in diesem Bereich Vernarbungen gibt, die für den Patienten durchaus störend sein können. Aus diesem Grund wurde in Deutschland inzwischen ein Wechsel vollzogen und die meisten Kreuzbandoperationen im deutschsprachigen Raum werden mit den so genannten Hamstring­sehnen durchgeführt. Bei den Hamstringsehnen erfolgt in den meisten Fällen ein Ersatz des vorderen Kreuzbandes durch die vielfach genutzte Semitendinosussehne. Nur wenn diese nicht ausreichend lang genug ist, wird eine zweite Sehne, die Gracilissehne, hinzugenommen. Es wird ein so genanntes Vierfachtransplantat angestrebt, damit das Sehnentransplantat ausreichend fest ist.

Als weiteres Präparat kann ein Teil der vorderen Oberschenkelsehne (Quadrizepssehne) genutzt werden. Auch dieses Präparat hat sich in den letzten Jahren als gute Sehne für den Kreuzbandersatz bewährt. Die Fixierung der Sehnen kann ebenfalls in unterschiedlicher Form erfolgen, bei der Patellarsehne wurden die Knochenblöcke häufig sogar ohne Fremdmaterial im Knochen verbolzt, in so genannter Press-Fit-Technik. Für die Fixierung der Hamstring- und Quadrizepssehnen werden Schrauben und so genannte Fixierungsbutton eingesetzt, die sich hinter der Knochenkante verklemmen.

Da anatomisch nachgewiesen ist, dass das vordere Kreuzband aus zwei angelegten Bündeln bzw. Strukturen besteht, kann über die Weichteilsehnen, die Hamstringsehnen, ebenfalls eine so genannte Doppelbündeltechnik durchgeführt werden. Das heißt es werden beide Bündel des vorderen Kreuzbandes ersetzt. Diese Technik scheint in manchen Fällen sinnvoll, besonders wenn Patienten Drehsportarten ausüben. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass viele Patienten aufgrund ihrer Anatomie für die Doppelbündeltechnik nicht in Frage kommen.